Systemisches Konsensieren

 

Wie schaffen wir es, rücksichtsvoller und schneller Entscheidungen zu treffen?

Diese Form der Entscheidungsfindung das Systemische Konsensieren entwickelt von Georg Paulus, Siegfried Schrotta, Erich Visotschnig hilft, Konflikte in der Gruppe schnell zu erkennen und tragfähige Entscheidungen zu beschließen, ohne endlose Diskussionen.

Systemisch bedeutet, dass diese Entscheidungsfindung bei allen Beteiligten ein konstruktives Verhalten hervorruft, da es um Gruppenentscheidungen geht und nicht um Machtinteressen. Ein respektvoller Umgang gegenüber der Meinungsvielfalt in der Gruppe ist zielführend und effizient.

Systemisches Konsensieren führt nahe an den Konsens heran. Neu und ungewohnt ist, dass hier die Widerstände oder Einwände gemessen werden und somit das Konfliktpotenzial in einer Gruppe klar erkennbar wird. Erneute Lösungsmöglichkeiten reduzieren den Widerstand und führen zu einer Einigung.

Dieses Verfahren ist auf Meinungsvielfalt zugeschnitten und erlaubt beliebig viele Beteiligte und beliebig viele Alternativen. Die Erfahrung zeigt, je mehr Alternativen vorliegen, desto größer ist die Chance, dass eine davon von möglichst vielen möglichst wenig abgelehnt wird, dass die Einwände gering bleiben.

Entscheidungen können gemeinschaftlich getroffen werden und das klassische Sieger-Verlierer-Prinzip wird somit durchbrochen, da wir uns darauf einlassen, einander zuzuhören und die Bedürfnisse und Bedenken der anderen einzubeziehen.

Diese Form der Entscheidungsfindung verhilft dazu, dass sich die innere Haltung zu den andern in der Gruppe wandeln kann, hin zum emphatischen Interesse daran, die Bedenken der anderen zu hören und eine Lösung zu entwickeln, mit der jeder in der Gruppe leben kann.

Dieses Entscheidungsprinzip, das nahe an den Konsens führt, kann vom Kindergarten, in Vereinen, in Schulen bis in die Politik angewendet werden und ermöglicht demzufolge eine konstruktive Zusammenarbeit von Menschen und Gruppen, egal wie alt die Teilnehmer und wie groß die Gruppen sind.

Folgendes Beispiel zeigt das Systemische Konsensieren ohne lange Diskussionen:

Eine Eigentümergemeinschaft (EWG) aus 7 Parteien soll sich für eine neue Hausfarbe entscheiden

Vier Farben werden vorgeschlagen:

- Terrakotta

- Gelb

- Dunkelrot

- Hellblau

Farbe

1.Partei

2.

3.

4.

5.

6.

7.

Ergebnis

Terrakotta

   

x

       

1

Gelb

     

x

   

x

2

Dunkelrot

       

x

   

1

Hellblau

x

x

     

x

 

3

Wie üblich, stimmen sie zunächst nach dem Mehrheitsprinzip ab.

Hellblau bekam drei Stimmen, eine relative Stimmenmehrheit und ist daher beschlossen.

Probleme, die auftauchten

Es meldet sich Erika zu Wort, die absolut gegen Blau ist. „Wir leben doch hier nicht in Griechenland!“

In dem Falle kann und will sie nicht für Blau stimmen.

Jetzt kann die WEG versuchen, sie zu Blau zu überreden. Aber Erika bleibt bei ihrer Entscheidung.

Die Mitbewohner nehmen Erikas Ablehnung ernst und sie wollen, dass sie zu einer gemeinsamen Lösung kommen. Peter schließt sich Erikas Argument an. Von sieben Parteien haben vier Parteien eine andere Meinung. Das führt zu heftigen Diskussionen und die Entscheidung wird vertagt.

Wie findet man zu einer Lösung?

Wenn man jedem/r Beteiligten erlaubt, seinen/ihren Widerstand mittels W-Stimmen (oder Einwänden) zu bewerten, ist es für jede/n möglich, seinen/ihren Widerstand auszudrücken.

  • • 0 W-Stimmen bedeutet: Ich habe keinen Einwand gegen diesen Vorschlag.
  • • 10 W-Stimmen bedeuten: Dieser Vorschlag ist für mich unannehmbar.
  • • Zwischenwerte werden nach Gefühl zwischen 1 und 9 W-Stimmen vergeben.

Bei der nächsten Zusammenkunft wird nach dem Systemischen Konsensieren abgestimmt. Zuerst erklärt jeder, warum er seine gewählte Farbe für die richtige Hausfarbe hält. Jede Partei benennt ihre Einwände/Widerstände gegen die entsprechende andere Hausfarbe.

Bei der Abstimmung mit Hilfe des Systemischen Konsensierens kommt jeder zu Wort. Das bedeutet: wenn ich Hellblau mit null bewerte, dann gefällt mir Hellblau sehr gut, wenn ich Hellbau hingegen mit zehn bewerte, habe ich große Widerstände gegen diese Farbe. Jede Farbe wird zwischen null bis zehn bewertet. Die Farbe mit den niedrigsten Widerständen/Einwänden wird genommen.

Eine Lösung findet sich

 

Farbe

1. Partei

2.

3.

4.

5.

6.

7.

Widerstände/Einwände

Terrakotta

2

3

0

3

4

5

3

20 - 1.Platz

Gelb

8

5

3

0

4

6

0

26

Dunkelrot

9

7

6

6

0

7

5

40

Hellblau

0

0

10

8

9

0

8

35

Ergebnis: Die Farbe mit den geringsten Einwänden ist Terrakotta und somit beschlossen, damit kann jeder gut leben.

Ein gelungener Ausklang

Hätten die Bewohner von Anfang an diese Methode angewandt, wäre keine Diskussion nötig gewesen und sie wären zügig zu einem Ergebnis gekommen. Terrakotta hätte die wenigsten W-Stimmen erhalten.

Beispiele auf YouTube:

https://www.youtube.com/watch?v=GD-QpWAI9Bs - ab 2:50 Min.

 

https://www.youtube.com/watch?v=A5As9tcy2dU - ca. 6 Min.